SRF-Reporter spendet Stammzellen – mit Kamerabegleitung

Das Digitalformat «rec.» greift Tabuthemen auf. Zum Beispiel die Krankheit Endometriose, Missstände in der Psychiatrie oder umstrittene Umpolungstherapien für Homosexuelle. Dabei geben die Reporter:innen auch Einblicke in ihre ganz persönliche Reise.

Seit mehr als drei Stunden liegt der Reporter Christoph Muggler bereits im Krankenbett, und man sieht ihm an, dass er genug hat. Über eine Kanüle läuft sein Blut in eine Maschine, welche die Blutstammzellen herausfiltert. Die Behandlung dauert noch weitere zwei Stunden. Am liebsten würde er die Prozedur abbrechen, doch es steht zu viel auf dem Spiel. Irgendwo auf der Welt wartet die Empfängerin oder der Empfänger auf genau diese Zellen, die so unerträglich langsam aus seinem Körper herauslaufen. Immerhin: Die Pflegeassistentin dreht den Durchlass etwas auf. So sollte es schneller gehen.

rec. : «Lebensrettende Stammzellen – Wie ich zum Spender wurde»

Vor sieben Jahren hat sich der damalige Student Christoph Muggler beim Roten Kreuz in das Register für eine Blutstammzellspende eingetragen: «Ich fand das eine gute und sinnvolle Sache: kein grosser Aufwand für mich – ein positiver Effekt für Menschen mit einer schweren Blutkrankheit.»

Überrascht sei er dann doch gewesen, als in seinen Ferien das Telefon klingelte und es hiess, dass genau seine Blutstammzellen nun gebraucht würden. Das war im August 2022. Im September fand die Voruntersuchung statt, Anfang Oktober die Entnahme. Für ihn, unterdessen SRF-Sportredaktor und erfahrener Videojournalist, war klar, dass er diesen Vorgang filmen würde, und er schlug das Thema der Redaktion von «rec.» vor. Dort war er mit diesem persönlichen Erfahrungsbericht genau richtig. Und so nahm er die Zuschauer:innen mit ins Universitätsspital zum medizinischen Test, zeigte, wie er sich täglich Spritzen setzte, und wie die fünfstündige Entnahme der Stammzellen ablief.

Beim Roten Kreuz nahm die Anzahl registrierter Blutstammzellspender:innen nach der Publikation der Reportage markant zu.

«rec.» steht für «record». Das Format existiert seit zwei Jahren, und es hat sich schnell etabliert. Es wird auf dem Youtube-Kanal von «SRF Dok» publiziert und auch im TV gezeigt, zum Beispiel auf dem Sendeplatz «Reporter». Die primäre Zielgruppe sind 25- bis 35-Jährige. Wichtig ist der Austausch mit dem Youtube-Publikum. Zu jeder Folge gehört ein Q&A (Question and Answer), auf jede Reportage folgt eine «rec.»-Ausgabe, die auf Rückmeldungen und Reaktionen aus der Community eingeht.

Im Fall der Reportage zur Blutstammzellspende waren die Rückmeldungen fast durchwegs positiv. Mit erfreulichem Nebeneffekt: Beim Roten Kreuz nahm die Anzahl registrierter Blutstammzellspender:innen nach der Publikation der Reportage markant zu.

«Wir möchten kontroverse Themen aufgreifen, Einblicke in unbekannte Lebenswelten geben und auch Missstände aufdecken», sagt Ilona Stämpfli, Produzentin des Formats. Für Diskussionen in der Community sorgten etwa die Reportagen zu den Freiheitstrychlern oder über eine Verschwörungserzählung, die grossen Schaden bei psychisch kranken Menschen anrichtet. Auch die Reportage über Menschen, die sich bewusst für ein Leben ohne Kinder entschieden haben, gab viel zu reden.

«
Die Reporter:innen nehmen Stellung, zeigen ihr Gesicht und exponieren sich dadurch besonders stark.»
Ilona Stämpfli, Produzentin «rec.»

Wie problematisch ist es, Reporter:innen solchen Grenzerfahrungen auszusetzen? Dazu Ilona Stämpfli: «Für uns sind das keine Grenzerfahrungen. Doch die Art der Produktion verlangt den Reporter:innen in der Tat viel ab. Sie sind allein mit der Kamera unterwegs und filmen sich und das Geschehen. Sie nehmen Stellung, zeigen ihr Gesicht und exponieren sich dadurch besonders stark. Deshalb werden die Reporter:innen während der Produktion und des Q&As von zwei Produzentinnen gecoacht und unterstützt.»

In Kürze:

Besonders beim jungen Publikum kommt das Reportageformat «rec.» gut an: Rund 60 Prozent der Zuschauer:innen sind unter 35 Jahre alt. Die bisher rund 90 Folgen und die Q&As (Fragen und Antworten im Nachgang der Reportagen) wurden bereits mehr als vier Millionen Mal aufgerufen. Zu finden sind sie auf dem Youtube-Kanal von «SRF Dok» und bei Play SRF.
Die Reportagen werden jeweils am Dienstag um 17 Uhr auf dem Youtube-Kanal aufgeschaltet, ab Mai am Montag um 17 Uhr.
Das Format «rec.» läuft auch am Samstag um 18.25 Uhr auf SRF zwei und am Mittwoch um 21 Uhr auf SRF1 auf dem Sendeplatz «Reporter».

Daniela Huwyler, Juni 2023

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