Der Zusatzservice, der Menschen ins Leben einbindet

Krimis mit Untertitel – das bedeutet für gehörlose Menschen, ein Teil der Gesellschaft zu sein. Deshalb seien die Anstrengungen der SRG in diese Richtung sehr wichtig, sagt der Verband für Gehörlose.

Victor Büser ist seit Geburt gehörlos. Heute ist er verheiratet, mit einer gehörlosen Frau. Er hat drei Töchter, die jüngste ist ebenfalls gehörlos.

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Ich schaue romantische Filme und ab und zu Dokumentationen und Reportagen. Dank Untertiteln kann ich diese Filme geniessen.»
Victor Büser, gehörlos

Dass er nicht hören kann, hinderte ihn nicht daran, Elektriker zu werden und sich zum Betriebsleiter weiterzubilden, ein Seminarhotel zu führen und heute als Geschäftsführer dem Gehörlosen-Fürsorgeverein Basel vorzustehen.

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Victor Büser

Am Abend schaut Victor Büser gern fern: «Ich schaue romantische Filme und ab und zu Dokumentationen und Reportagen. Dank Untertiteln kann ich diese Filme geniessen», sagt er auf Anfrage und erklärt weiter: Auch Netflix decke das Angebot von Untertiteln nahezu vollständig ab, gerade auch im Bereich von Serien zu Medizin und Geschichte.

Allerdings mit einem kleinen Nachteil. Es sind keine farbigen Untertitel, wie sie die SRG anbietet. Farbige Untertitel haben den Vorteil, dass die entsprechende Farbe gehörlosen und hörgeschädigten Personen bei der Zuordnung hilft. Ein weiterer hilfreicher Informationszusatzdienst sind Hintergrunduntertitel, wie «Türe klopft», «Schüsse fallen», «Musik läuft» oder «Baby schreit».

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Ich schaue die ‹Tagesschau› gerne in Gebärdensprache.»
Gian Reto Janki, gehörlos

Heute ist auch dank der neuen Technologie HbbTV barrierefreies Fernsehen für gehörlose Menschen möglich. Die etwas sperrige Abkürzung steht für «Hybrid broadcast broadband TV» und bezeichnet ein Fernsehgerät, das mit dem Internet verbunden ist und zusätzliche Angebote parallel zur Sendung einspeist. Dank HbbTV wächst die Zahl der Sendungen mit Untertitelung stetig. So ist seit Januar auch die SRF-Talksendung «Gredig direkt» untertitelt.

Gian Reto Janki ist seit zwei Jahren gehörlos. Er war an einer Hirnhautentzündung erkrankt, die zur Taubheit geführt hat. «Ich schaue die ‹Tagesschau› gerne in Gebärdensprache. Weitere Sendungen wie Krimis, die ‹Rundschau›, ‹10vor10› oder Dokumentarfilme schaue ich mit Untertiteln», schreibt er.

Er schätzt es, dass die SRG sich zusammen mit dem Schweizerischen Gehörlosenbund darauf geeinigt hat, mindestens 80 Prozent des Programms auf Deutsch, Französisch und Italienisch zu untertiteln. Weiter hat sich das Unternehmen verpflichtet, 1300 Stunden in Gebärdensprache anzubieten. Für die Mehrheit der Gehörlosen ist die Gebärdensprache die Muttersprache. Deswegen ist es bei Nachrichtensendungen von Vorteil, wenn komplizierte Inhalte in Gebärdensprache übersetzt werden.

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Was für uns eine Serie oder blosse Unterhaltung ist, bedeutet für Menschen mit dieser Einschränkung die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit all seinen Themen. So können sie an Diskussionen teilnehmen und fühlen sich nicht ausgeschlossen.»
Harry Witzthum, ehem. Geschäftsführer des Schweizerischen Gehörlosenbundes
Letzte technische Barrieren

Auch der ehemalige Geschäftsführer des Schweizerischen Gehörlosenbundes, Harry Witzthum, begrüsst die Anstrengungen der SRG, barrierefreies Fernsehen voranzutreiben und anzubieten: «Es ist wichtig, dass gehörlose Menschen nicht von Gesellschaftsthemen ausgeschlossen werden. Was für uns eine Serie oder blosse Unterhaltung ist, bedeutet für Menschen mit dieser Einschränkung die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit all seinen Themen. So können sie an Diskussionen teilnehmen und fühlen sich nicht ausgeschlossen.»

Rund 10’000 bis 20’000 Personen sind absolut gehörlos, eine gute Million leidet unter einer Beeinträchtigung beim Hören.

Momentan gebe es allerdings noch technische Probleme. Gerade bei Inhalten via HbbTv funktioniere nicht alles reibungslos. So wird der Inhalt nicht über alle Kabelnetzanbieter empfangen. Witzthum sagt, dass deshalb zwei Beschwerden gegen private Kabelnetzanbieter beim Bundesamt für Kommunikation hängig seien.

Der Vorteil und Bedarf an diesen Zusatzdiensten scheint jedoch unbestritten: Rund 10’000 bis 20’000 Personen sind absolut gehörlos, eine gute Million leidet unter einer Beeinträchtigung beim Hören. Letzteres betrifft vor allem ältere Menschen, die nach und nach ihr Gehör verlieren. Oder solche, die aufgrund einer unfall- oder lautstärkebedingten Schädigung nur noch eingeschränkt hören. Die Zusatzfunktionen für Barrierefreiheit seien auch deshalb so interessant, weil die Betroffenen beim Fernsehgerät die Grösse und den Kontrast der Untertitel selber einstellen können.

Neuartige Verbindung von TV und Internet

Die Untertitelung ist aber auch für andere Gruppen von Bedeutung: Personen mit Migrationshintergrund beispielsweise und Fremdsprachige können sie nutzen.

Und auch vom Zusatzangebot HbbTV profitiert das breite Publikum: Drückt man den roten Knopf der Fernsehbedienung, klappt im unteren Bildschirmteil eine Navigationsleiste auf, wo man sich mit Play SRF, Teletext und allen Radiostationen verbinden kann. Sportbegeisterte können die meisten Livestreams von SRF Sport anschauen und erhalten via Internet Zusatzangebote.

Das vernetzte Fernsehen hat die Schweizer Wohnzimmer bereits erreicht. Vor allem Jugendliche nutzen die TV-Verbindung mit dem Internet für Spielkonsolen und Streaming-Sticks. Doch die Verknüpfung von Internet und Fernsehen ist weit mehr als «gamen».

Neben den Zusatzangeboten lassen sich gezielte Informationen für bestimmte Kundensegmente einspeisen. Ein lukratives Zusammenspiel von Fernsehen und Internet, das für Fernsehkonsumentinnen und -konsumenten einen Zusatznutzen bringt, aber natürlich auch der Werbeindustrie Türen öffnet. Dabei soll bei der SRG dennoch auf Werbung wann immer möglich verzichtet werden

Smart-TV und HbbTV erklärt

Smart-TV ist die Bezeichnung für Connected-TV-Geräte, die über eine integrierte Internetfunktion verfügen, mit denen auf eine Vielzahl interaktiver Funktionen sowie webbasierter Inhalte zugegriffen wird.
Hybrid broadcast broadband TV (HbbTV) verbindet lineares Fernsehen mit digital ausgespielten Inhalten. Voraussetzung für den Empfang ist ein an das Internet angeschlossenes HbbTV-fähiges Endgerät.
HbbTV gibt es seit zehn Jahren und stellt eigentlich die Teletext-Nachfolge dar. Zusätzlich zum Teletext-Angebot bietet HbbTV einen multimedialen Programmführer, bebilderte Inhalte und spielt auf Abruf bereits ausgestrahlte Sendungen (Play SRF).

SWISS TXT – HbbTV (Deutsch)

Daniela Huwyler, Mai 2023

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