«Wirklich?!» – Ausstellung im Verkehrshaus sensibilisiert für Fake News

Die interaktive Ausstellung «Wirklich?!» im Luzerner Verkehrshaus widmet sich dem Thema Fake News. Vor allem jüngere Generationen sollen dadurch Vertrauen in die SRG fassen und lernen, Fake von Fakt zu unterscheiden. Aber auch Erwachsene hätten diesbezüglich noch einiges zu lernen, fand Bundesrat Albert Rösti an der Eröffnung.

«Wir alle müssen Journalist:innen werden. Wir müssen täglich entscheiden: Welche News sind glaubwürdig?»: Mit diesen Worten eröffnete SRG-Generaldirektorin Susanne Wille Mitte Oktober in Luzern eine neue Ausstellung mit dem Titel «Wirklich?! – Fakt, Fake oder Meinung?». Sie ist in Kooperation zwischen der SRG und dem Verkehrshaus der Schweiz entstanden und thematisiert den Umgang mit Nachrichten und Fake News sowie die Frage, wie man das eine vom anderen unterscheiden kann.

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Wir alle müssen Journalist:innen werden. Wir müssen täglich entscheiden: Welche News sind glaubwürdig?»
Susanne Wille, Generaldirektorin SRG

Unterteilt ist die Ausstellung in drei Stationen. In einem Newsroom mit Teleprompter können die Besucher:innen selbst Nachrichtentexte einsprechen. Diese werden dann auf Bildschirmen wiedergegeben – allerdings verkürzt und in einen anderen Kontext versetzt. Die Botschaft ist klar: Was ich ins Internet stelle, kann verfälscht werden – selbst dann, wenn ich die Wahrheit gesagt habe. Ein Phänomen, das nicht aus der Luft gegriffen ist: Genau das passiert vielen Journalist:innen regelmässig.

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Im Newsroom können Besucher:innen echte Nachrichtentexte vom Teleprompter ablesen. In der anschliessenden Wiedergabe wird der Kontext jedoch verändert und die Aussage erscheint auf einmal falsch.

Quelle: Noemi Harnickell 

In der Ausstellung ebenfalls ein Blickfang ist ein Fake-News-Spiel im Stil der früheren Fernsehshow «1, 2 oder 3». Auf einem Bildschirm sind Social-Media-Beiträge zu sehen, die von den Gästen bewertet werden. «Welcher Fake-Beitrag ist respektlos?», lautet zum Beispiel eine Frage. Oder: «Welcher Fake-Beitrag hat einen falschen Absender?»

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Je nachdem, welche Brille wir gerade aufhaben, bleibt uns ein Teil des Gesamtbildes verborgen.»
Bruno Arnold, Projektleiter Verkehrshaus der Schweiz

Die dritte Station zeigt mithilfe von Farbfiltern einen alternativen Blick auf die Welt. So ist durch einen roten Filter ein anderer Ausschnitt eines Bildes an der gegenüberliegenden Wand zu erkennen als durch den blauen. «Was wir sehen, ist nicht die ganze Breite der Fakten», erklärt Projektleiter Bruno Arnold vom Verkehrshaus an dieser Station. «Je nachdem, welche Brille wir gerade aufhaben, bleibt uns ein Teil des Gesamtbildes verborgen.»

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Wie werden Beiträge gefälscht? Beim Quiz-Spiel müssen die Besucher:innen auf die richtige Antwort springen.

Quelle: Noemi Harnickell

Unmögliche Schönheitsideale wegen KI

Die SRG kehrt mit «Wirklich?!» nach neun Jahren mit einer Ausstellung ins Verkehrshaus zurück. Das Museum zählt jedes Jahr über eine Million Besucher:innen, darunter rund 3’000 Schulklassen. Damit ist es ein relevanter ausserschulischer Lernort. «Kinder und Jugendliche lernen bei uns nicht nur, wie ein Satellit funktioniert oder warum ein Zug fährt, sondern auch, wie man Wissen prüft und Fragen stellt», sagt Verkehrshaus-Direktor Martin Bütikofer bei der Vernissage in seiner Ansprache. Die Partnerschaft mit der SRG beruhe auf dem gemeinsamen Anliegen, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und Medienkompetenz zu fördern.

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Kinder trauen sich heute kaum noch, Fehler zu machen.»
Michelle Süess, Lehrerin

Zur Eröffnung der Ausstellung waren nebst Bundesrat Albert Rösti und Susanne Wille auch Schüler:innen der Primarschule Arth-Goldau sowie Kinderreporter:innen von SRF Kids News eingeladen. Sie alle sind sich einig: Den Fake News muss der Kampf angesagt werden. «Wenn man die Schüler:innen danach fragt, ist ihnen klar, was Fake News sind und warum sie gefährlich sein können», sagt Lehrerin Michelle Süess. «Aber wenn es zum Beispiel darum geht, Schönheitsideale zu hinterfragen, wollen sie trotzdem aussehen wie die KI-generierten Models. Kinder trauen sich heute kaum noch, Fehler zu machen.» Dem stimmt auch Kinderreporter Lars zu: «Mich stresst es sehr. Wenn ich im Internet Leute sehe, die ein ganz perfektes Gesicht haben, denke ich: ‹Ich will auch ein solches Gesicht!›»

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Auf dem Podium bei der Ausstellungseröffnung diskutieren Kinderreprter:innen Luana und Lars mit Lehrerin Michelle Süess und anderen über ihre Erfahrungen mit Fake News.

Quelle: Harnickell/zVg

Das Vertrauen in die Medien stärken

Studien zeigen inzwischen, dass Jugendliche Fake News besser erkennen können als ältere Generationen. «Eigentlich seid ihr für uns Vorbilder», sagte Bundesrat Albert Rösti bei der Vernissage denn auch zu den anwesenden Kindern. «Wenn jemand jemandem etwas erzählen kann, dann eher ihr uns als wir euch.»

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Sie müssen die Marke der SRG kennen, um zu verstehen, dass sie ihr vertrauen können.»
Bruno Arnold, Projektleiter Verkehrshaus der Schweiz

Dennoch gibt es noch viel zu lernen. «Die junge Generation ist sehr medienaffin», stimmt Bruno Arnold zu. «Aber die Frage ist ja: Wie kann man überprüfen, was fake ist? Das herauszufinden, ist schwierig.» Die Ausstellung, die sich vor allem an Jugendliche der Sekundarstufen I und II richtet, soll ihren Besucher:innen Werkzeuge mit auf den Weg geben. «Sie zeigt, wie relevant das Thema Fake News ist: Kann man den Medien vertrauen? Wie wichtig ist ein Journalismus, der seriös arbeitet? Und nicht zuletzt ist es auch eine Demokratiegeschichte, denn: Bei Fake News geht es nicht nur um gefälschte Katzenvideos, sondern auch um politische Manipulation.» Es sei daher wichtig, bereits die jüngsten Menschen ins Boot zu holen, so Bruno Arnold. «Sie müssen die Marke der SRG kennen, um zu verstehen, dass sie ihr vertrauen können.»

«Alles ‹wow›!»

Elena, Caitlin und Noelia, die mit ihrer Lehrerin Michelle Süess an der Vernissage sind, sind von der Ausstellung begeistert. «Die vom Verkehrshaus haben sich viel Mühe gegeben», sagt Caitlin. «Wir hatten das Thema in der Schule noch nicht, darum war für mich alles ‹wow›! Am coolsten finde ich den Teleprompter.» Die drei sind erst zehn Jahre alt und noch nicht auf Social Media unterwegs. Trotzdem hätte sie schon Erfahrung mit Fake News gemacht, so Noelia – einfach im echten Leben: «Im Kindergarten hatte ich eine gute Freundin, aber das ging irgendwann auseinander. In der vierten Klasse erzählte sie plötzlich allen, dass ich sie beschimpft hätte. Das hat mich sehr wütend gemacht.» Es sei darum wichtig, die Menschen darüber zu informieren, was es mit Fake News auf sich hat.

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Schülerinnen Elena, Caitlin und Noelia wussten noch nicht viel über Fake News. Sie sind von der Ausstellung begeistert.

Quelle: Noemi Harnickell

Lehrerin Michelle Süess findet die Ausstellung sehr wichtig. «Es braucht ein Bewusstsein dafür, dass man Informationen ständig hinterfragen muss und nicht alles glauben kann», sagt sie. Mehr noch als für Jugendliche sei die Ausstellung auch für Erwachsene wichtig. «Es gibt viele Menschen in meinem Alter, die Medienbildung dringend nötig hätten», so Süess. Das einzige, was Michelle Süess bedauert, sei das Auslassen der K.I. in der Ausstellung. Tipps etwa, wie man K.I.-generierte Inhalte überprüfen kann. «Der Schwerpunkt liegt aber auf den Nachrichten», räumt sie jedoch sogleich selbst ein. «Dieser Fokus macht Sinn – und wer weiss, vielleicht wird die Ausstellung ja irgendwann noch erweitert.»

Noemi Harnickell, Oktober 2025

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