Wenn Kinder für Kinder Fernsehen machen – und für Lehrpersonen

Die RTS-Sendung «OKI» wird von Nachwuchsreporter:innen gemacht und behandelt Themen, die Kinder beschäftigen. Das Projekt soll die Medienkompetenz von Zehn- bis Zwölfjährigen steigern. Daneben dient es Lehrpersonen als wichtige Ressource: Zu jeder Sendung stellt RTS Unterrichtsmaterial bereit.

Wie erkenne ich, ob ein Bild echt oder gefälscht ist? In Zeiten von KI und Social Media beschäftigt diese Frage viele Kinder und Jugendliche. Die erste Episode von «OKI», einem neuen Format von Radio Télévision Suisse (RTS), geht genau dieser Frage auf den Grund. «OKI» ist speziell für Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren konzipiert und besteht aus acht- bis zehnminütigen Videobeiträgen, die sowohl auf Play RTS aufgeschaltet als auch jeweils samstags auf RTS 1 ausgestrahlt werden. Doch das junge Format des öffentlichen Fernsehens für die französische Schweiz ist nicht nur eine Sendung: Es ist ein partizipatives Projekt, das es Kindern ermöglicht, sowohl Macher:in als auch Zuschauer:in zu sein.

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Die Themen, die für Kinder wichtig sind, leiten uns.»
François Egger, Moderator der Sendung.

Um Teil des Redaktionsteams zu werden, konnten sich interessierte Kinder bei RTS anmelden. Daraus entstanden sind zwei Teams aus je fünf bis sechs Kindern aus allen Kantonen der Romandie, die sich aktuell als Reporter:innen versuchen. Selbstverständlich reden sie auch bei der Themenwahl mit. Und die Themen, über die «OKI» bereits berichtet haben, zeigen wie breit die Kinder interessiert sind. Es gibt Videos über die globale Erwärmung, Minecraft, Skifahren, Geld, KI, Schlaf und die Feuerwehr.

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François Egger, Journalist und Moderator von «OKI».

RTS

Die Kinder produzieren die Sendungen gemeinsam mit Fachpersonen von RTS in deren Studios. Es sei wichtig, dass sie die Räume entdecken und verstehen, wie Sendungen entstehen, erzählt François Egger. Er ist erstaunt darüber, wie schnell sich die Kinder audiovisuelle Kompetenzen angeeignet haben, aber auch über deren Begeisterung und Neugier. Sie filmten oft spontan, was sie beobachteten, und schickten es an die Redaktion, so der Journalist. «Und sie können sehr gut analysieren, das hat sich insbesondere bei einer Sendung über Trump gezeigt.»

Kritisches Denken fördern

Ziel von «OKI» sei, das kritische Denken der Schüler:innen im Umgang mit Informationen und neuen Medien zu fördern, sagt Produzentin Tania Chytil. Dass das Konzept funktioniert, hat sich schnell gezeigt: Die Kinder, die am Projekt teilnehmen, hätten beispielsweise in kürzester Zeit gelernt Bilder zu erkennen, die von KI generiert worden waren. Sie wirkten aber auch selbständiger und selbstbewusster.

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Produzentin Tania Chytil und Journalist François Egger leiten «OKI».

RTS

Weiter sollen Kinder durch «OKI» dazu ermutigt werden, die Inhalte von RTS auf deren Plattformen zu nutzen und Medien nicht nur auf Social Media zu konsumieren. «Das wird eine der grossen Herausforderungen der nächsten Jahre sein: Wir müssen junge Menschen an hochwertige Inhalte heranführen», so Egger. Allerdings nicht um jeden Preis: Das Programm wird nicht auf Social Media verbreitet, sondern ausschliesslich auf Play RTS – so werden auch die Kinder nicht auf Social Media gezeigt.

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Ich finde ‹OKI› super! Die Themen sind immer interessant. Während wir die Fragen beantworten, werden wir zum Nachdenken angeregt.»
Lou, 12 Jahre

Bei den Kinderreporter:innen kommt das neue Angebot an: «Ich finde ‹OKI› super! Die Themen sind immer interessant. Während wir die Fragen beantworten, werden wir zum Nachdenken angeregt», sagt Lou, 12 Jahre. «So lerne ich, die Welt besser zu verstehen und mir eine Meinung zu bilden. Ausserdem lernt man fast wie ein Profi zu filmen!»

«Kinder müssen sehen, welchen Weg eine Information zurücklegt»

Christian Georges, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der CIIP, der Interkantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz für die Romandie und die italienischsprachige Schweiz, ist Experte für Medienbildung. Er schätzt das neue Projekt von RTS. Kinder lernten zu verstehen, dass nicht alle Informationen gleich zuverlässig seien, dass nicht jede:r ein:e Journalist:in sei und dass KI alles noch undurchsichtiger mache. «Es ist wichtig, Kindern zu erklären, wie Journalist:innen mit aktuellen Ereignissen umgehen. Sie müssen sehen, welchen Weg eine Information zurücklegt, bevor sie die Öffentlichkeit erreicht.»

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Christian Georges, verantwortlich für Medienerziehung bei der Interkantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz für die Romandie und die italienischsprachige Schweiz.

CIIP

Ressource für Lehrkräfte

«OKI» ist nicht nur eine Sendung von Kindern für Kinder. Sondern auch eine von Lehrkräften für Lehrkräfte: Denn nachdem bereits in der Konzeption der Sendungen Lehrer:innen einbezogen werden, gibt es für jede Ausgabe Begleitmaterial für den Schulunterricht, mit dem die behandelten Themen vertieft werden können. Dank der Themenvielfalt in der Sendung werde diese zu einem Werkzeug, das für ganz verschiedene Fächer geeignet sei, erklärt François Egger. Medienerziehungsexperte Christian Georges schätzt, dass Lehrpersonen so stark einbezogen werden: «Im Gegensatz zu früher, da konnte man bestenfalls noch einen Beschwerdebrief schreiben, wenn einem etwas nicht passte im Fernsehen.» Das Zusammenwirken im Rahmen von «OKI» führe nun zu mehr Verbundenheit zwischen Schule und RTS. Dass das Unterrichtsmaterial genutzt wird, zeigen Rückmeldungen von Lehrpersonen: François Egger erzählt, er habe unlängst mehrere Nachrichten erhalten, in denen auf einen Fehler in einem Arbeitsblatt hingewiesen wurde. «Das beweist, dass der Inhalt im Unterricht thematisiert wurde», freut er sich.

Lucie Donzé, März 2026 

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