Wie die Wirtschaft von der SRG profitiert
Produktionsfirmen, Autor:innen, Handwerksbetriebe: Zahlreiche Unternehmen und Branchen profitieren von Aufträgen und Investitionen der SRG. Wie hoch der volkswirtschaftliche Beitrag des Medienhauses ist und wie viele Arbeitsplätze dadurch geschaffen werden, zeigt eine Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics.
Der Pokal des «Samschtig-Jass» oder die Los-Box beim «Happy Day»: Wenn Walter Gloor SRG-Sendungen schaut, taucht auf dem Bildschirm regelmässig seine eigene Arbeit auf. Mal ist sie stärker in Szene gesetzt, wie der «Samschtig-Jass»-Pokal, mal ist sie Teil der Studioausstattung. Gemeinsam ist allen Produkten, dass sie aus Acrylglas sind, besser bekannt als Plexiglas. Auf die Verarbeitung dieses Materials hat sich Walter Gloor mit der Firma Akuplex spezialisiert. Im zürcherischen Fällanden stellt das KMU unter anderem Werbeschilder, Verpackungen oder Industriekomponenten her – und arbeitet seit 20 Jahren auch regelmässig mit der SRG zusammen. Diese Zusammenarbeit ist nur eines von zahlreichen Beispielen für die Wertschöpfung, die die SRG in der Schweiz generiert. Als Auftraggeberin von Autor:innen, Darsteller:innen oder Produktionsfirmen – aber auch von branchenfremden Firmen wie eben der Akuplex –, trägt die SRG zur Schaffung zahlreicher Arbeitsstellen in anderen Unternehmen bei.
Genauer gesagt zur Schaffung von 5019 Vollzeitstellen, wie eine im Mai 2024 veröffentlichte Studie des unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Economics zeigt. Mit jedem Arbeitsplatz bei der SRG selbst – rund 5500 Vollzeitstellen – «ist deshalb eine 91-Prozent-Stelle in anderen Unternehmen der Schweiz verbunden» , schreiben die Verfasser:innen der Studie, mit welcher der volkswirtschaftliche Beitrag der SRG im Auftrag des Bundesamts für Kommunikation BAKOM analysiert wurde.
Jeder Franken bringt 93 Rappen Wertschöpfung in anderen Firmen
Die zweite derartige Analyse nach 2016 zeigt zudem: Die mehr als 10´500 internen und externen Arbeitsplätze beschäftigen 13´500 Personen und führen zu einem Arbeitnehmereinkommen von rund 1,1 Milliarden Franken. Die Wertschöpfung der SRG, also ihr Beitrag zur Schweizer Wirtschaftsleistung, lag 2022 bei 1,67 Milliarden Franken, wie die Studienautor:innen mithilfe einer modellgestützten Wirkungsanalyse errechnet haben. Davon hat die SRG 869 Millionen Franken selbst erwirtschaftet.
805 Millionen wurden durch Sekundäreffekte generiert, beispielsweise durch den Konsum von SRF-Angestellten oder den Bezug von Vorleistungen von anderen Unternehmen. «Mit jedem Wertschöpfungsfranken, der direkt durch die Produktionstätigkeit der SRG erwirtschaftet wird, entstehen nochmals 93 Rappen Wertschöpfung in anderen Unternehmen », so das Fazit der Studie.
Wirtschaftliche Impulse gibt die SRG nicht nur durch Aufträge für den laufenden Betrieb, sondern auch durch längerfristige Investitionen. So hat das Unternehmen in den letzten zehn Jahren mehr als eine Milliarde Franken unter anderem in bauliche Massnahmen oder die technische Ausrüstung, etwa Produktionsfahrzeuge oder IT-Systeme, investiert.
Bedeutung im Tessin am grössten
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wertschöpfung der SRG ist mit einem Anteil von 0,2 Prozent an der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung zwar relativ gering. In gewissen Regionen des Landes ist der Anteil jedoch deutlich höher, wie die Studie zeigt. So macht er etwa in der italienischsprachigen Schweiz 0,7 Prozent aus. Dass die wirtschaftliche Bedeutung der SRG im Verhältnis zur regionalen Gesamtwirtschaft im Tessin am grössten ist, zeigt sich auch bei den Arbeitsplätzen: 0,8 Prozent davon entstehen durch die Tätigkeit der SRG, gesamtschweizerisch sind es 0,2 Prozent.
Überregionale Zusammenarbeit: 2024 fertigte die Zürcher Firma einen massgefertigten Tisch für ein RSI-Studio.
Bild: zVg
«Momente, die mich stolz machen»
Unternehmer Walter Gloor schätzt die regelmässige Zusammenarbeit mit der SRG, sie sei wichtig für sein Unternehmen. Die Aufträge, die Akuplex jeweils ausführe, seien herausfordernd und darum auch spannend. «Anhand der Vorgaben von Bühnenbildnern oder Projektleiterinnen schaffen wir massgefertigte Einzelstücke.» Zuletzt entstand eine überregionale Zusammenarbeit: Die Akuplex fertigte einen transparenten Tisch für ein Studio von RSI. «Wir haben rund drei Wochen an diesem Tisch gearbeitet», sagt Walter Gloor. Die eigenen Produkte anschliessend im Fernsehen zu sehen, ist für ihn jedes Mal speziell: «Das sind sehr schöne Momente, die mich stolz machen.»
Tobias Hänni, August 2024